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Entartete Kunst"

NS-kontaminiert
Von: Adolf Ziegler1 (NSDAP), Joseph Goebbels1 (NSDAP), Adolf Hitler (NSDAP)
Datum: 19. Juli 1937

Nutzungshäufigkeit

Entartete Kunst"
Einordnung

Für diesen Begriff ist das typische Doppel-Gipfel-Muster (NS-Zeit → tabuisiert → Reaktivierung) in den Nutzungsdaten nicht eindeutig nachweisbar. Die Aufnahme stützt sich stattdessen auf die historische Provenienz, belegte Einzelverwendungen oder die ideologische Funktion — siehe Abschnitte „Hintergrund" und „Strategische Funktion".

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HintergrundDer Begriff "Entartung" wurde bereits im 19. Jahrhundert im abwertenden Zusammenhang verwendet, so etwa von Friedrich Schlegel in Bezug auf die Dichtung der Spätantike. Der jüdische Kulturkritiker Max Nordau popularisierte die These, dass die Entartung der Kunst auf die Entartung der Künstler zurückzuführen sei. Adolf Hitler äußerte sich bereits 1925 in "Mein Kampf" abfällig über moderne Kunst als "Erzeugnisse einer überhaupt nicht mehr künstlerischen, sondern vielmehr geistigen Entartung bis zur Geistlosigkeit". Im Nationalsozialismus wurde der Begriff "Entartete Kunst" zum zentralen Kampfbegriff gegen moderne Kunstrichtungen wie Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus und Kubismus. Die Ausstellung "Entartete Kunst" 1937 in München markierte den Höhepunkt dieser Kampagne. Nach 1945 wurde der Begriff weitgehend vermieden, erlebte jedoch in den letzten Jahren im Kontext rechtspopulistischer und rechtsextremer Strömungen eine Wiederbelebung, oft in Verbindung mit der Diffamierung zeitgenössischer Kunst als "undeutsch" oder "nicht volksnah".
KontextDie Ausstellung "Entartete Kunst" wurde am 19. Juli 1937 in München von Adolf Ziegler1, dem Präsidenten der Reichskammer der Bildenden Künste, mit diffamierenden Worten eröffnet. Die von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels1 initiierte Ausstellung präsentierte über 650 konfiszierte Kunstwerke aus 32 deutschen Museen, um das gesamte Spektrum moderner Kunst in Deutschland aus dem sozialen und kulturellen Leben auszuschließen. Die Ausstellungsstücke wurden mit diffamierenden Inschriften versehen, die antisemitische und antikommunistische Vorurteile unter dem NS-Schlagwort der "jüdisch-bolschewistischen Kunst" schürten. Parallel dazu eröffnete Adolf Hitler die "Große Deutsche Kunstausstellung" im Münchner "Haus der Deutschen Kunst", um zu zeigen, was unter "deutscher" Kunst zu verstehen sei. Die Ausstellung wanderte bis April 1941 durch zwölf weitere Städte und zog über drei Millionen Besucher an. Die Ausstellung diente als Propaganda-Instrument, um die Bevölkerung gegen moderne Kunst aufzuhetzen und die Verfolgung von Künstlern und Sammlern zu legitimieren. Die Beschlagnahmung von rund 16.000 modernen Kunstwerken, die zum Teil ins Ausland verkauft oder zerstört wurden, setzte die "Säuberung" der deutschen Kunstsammlungen in Gang.
Einordnung

Der Begriff "Entartete Kunst" wurde im Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen und als Instrument zur Diffamierung und Verfolgung moderner Künstler und Kunstrichtungen eingesetzt (Barron, Stephanie, *'Entartete Kunst': The Fate of the Avant-Garde in Nazi Germany*, Los Angeles County Museum of Art, 1991). Die Ausstellung "Entartete Kunst" diente als zentrale Propagandamaßnahme zur Diskreditierung der Moderne und zur Durchsetzung des NS-Kunstideals (Petropoulos, Jonathan, *Art as Politics in the Third Reich*, University of North Carolina Press, 1999). Das "Gesetz über die Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst" von 1938 schuf die rechtliche Grundlage für die systematische Enteignung und Verwertung der als "entartet" eingestuften Kunstwerke ( Datenbank der Forschungsstelle 'Entartete Kunst' der Freien Universität Berlin).

Strategische Funktion

1. DIFFAMIERUNG: Die Bezeichnung "Entartete Kunst" diente dazu, moderne Kunst als minderwertig, krank und schädlich für das "Volkswohl" darzustellen. Dies schürte Ablehnung und Hass in der Bevölkerung und bereitete den Boden für die Verfolgung und Ausgrenzung der betroffenen Künstler.
2. AUSGRENZUNG: Durch die Stigmatisierung als "entartet" wurden Künstler und ihre Werke aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Dies führte zu Berufsverboten, Ausstellungsverboten und zur Vernichtung von Kunstwerken, was die kulturelle Vielfalt und Meinungsfreiheit massiv einschränkte.
3. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Die Abgrenzung von der "Entarteten Kunst" diente der Konstruktion einer vermeintlich "reinen" und "gesunden" deutschen Kultur. Dies stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl der "arischen" Bevölkerung und trug zur Festigung des NS-Regimes bei.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Entartete Kunst
bpb.de — Vor 80 Jahren: Ausstellung "Entartete Kunst" (Hintergrund aktuell) DHM — Die Ausstellung "Entartete Kunst" Kunstplaza — Entartete Kunst – Das dunkle Kapitel der deutschen Museums- und Kunstgeschichte Suedwestgalerie — ENTARTETE KUNST (Kunstlexikon) Arolsen Archives — Entartete Kunst GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus — Entartung / Entartete Kunst (Glossar) Freie Universität Berlin — Datenbank "Entartete Kunst" Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
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