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Deutschland erwache"

NS-kontaminiert
Von: Dietrich Eckart1 (NSDAP)
Datum: 1920

Nutzungshäufigkeit

Deutschland erwache"
Einordnung

Für diesen Begriff ist das typische Doppel-Gipfel-Muster (NS-Zeit → tabuisiert → Reaktivierung) in den Nutzungsdaten nicht eindeutig nachweisbar. Die Aufnahme stützt sich stattdessen auf die historische Provenienz, belegte Einzelverwendungen oder die ideologische Funktion — siehe Abschnitte „Hintergrund" und „Strategische Funktion".

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HintergrundDer Ursprung der Parole "Deutschland erwache!" liegt im Jahr 1920, als Dietrich Eckart1 das "Sturmlied" verfasste. In der NS-Zeit wurde sie zu einem zentralen Slogan der NSDAP und ihrer Unterorganisationen, insbesondere der SA. Nach 1945 geriet die Parole zunächst in den Hintergrund, erfuhr aber in den letzten Jahrzehnten eine Wiederbelebung in rechtsextremen Kreisen. Sie wird heute verwendet, um an die NS-Zeit anzuknüpfen und eine vermeintliche Notwendigkeit eines nationalen "Erwachens" zu beschwören. Die Verwendung ist in Deutschland strafbar, da sie als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation gilt.
KontextDie Parole "Deutschland erwache!" stammt aus dem "Sturmlied", das Dietrich Eckart1 1920 verfasste. Dieses Lied entwickelte sich rasch zu einer zentralen Hymne der SA, der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP. Die SA nutzte die Parole, um ihre Anhänger zu mobilisieren und politische Gegner einzuschüchtern. Die Parole wurde auf Fahnen, Plakaten und in Reden verwendet, um ein Gefühl der nationalen Einheit und des Aufbruchs zu erzeugen. Heute ist die Verwendung der Parole in Deutschland gemäß § 86a StGB strafbar, da sie als Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation gilt.
Einordnung

Die NS-Instrumentalisierung der Parole "Deutschland erwache!" ist durch zahlreiche historische Quellen belegt. Das Deutsche Historische Museum dokumentiert die Verwendung der Parole im Kontext der SA-Propaganda. Historiker wie Richard J. Evans beschreiben in ihren Werken, wie die Parole dazu diente, ein Gefühl der nationalen Erneuerung und des Aufbruchs zu erzeugen (The Third Reich Trilogy). Die Parole ist somit untrennbar mit der NS-Ideologie verbunden und ihre Verwendung stellt eine Verharmlosung des Nationalsozialismus dar.

Strategische Funktion

1. MOBILISIERUNG: Die Parole dient der Mobilisierung von Anhängern, indem sie ein Gefühl der nationalen Dringlichkeit und des Aufbruchs erzeugt. Sie suggeriert, dass Deutschland sich in einer Krise befindet und ein "Erwachen" benötigt, um diese zu überwinden.
2. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Die Parole stiftet eine kollektive Identität, indem sie ein "Wir-Gefühl" unter denjenigen erzeugt, die sich zu ihr bekennen. Sie grenzt gleichzeitig Andersdenkende aus und stigmatisiert sie als Gegner des "deutschen Volkes".
3. GESCHICHTSREVISIONISMUS: Die Parole dient der Geschichtsrevision, indem sie an die NS-Zeit anknüpft und diese positiv umdeutet. Sie verharmlost die Verbrechen des Nationalsozialismus und versucht, eine Kontinuität zwischen der NS-Zeit und der Gegenwart herzustellen.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Deutschland erwache
Vorwärts — „Deutschland erwache!“: Darum sind diese Nazi-Parolen verboten Deutsches Historisches Museum — Objekt-ID: 5632 Deutsche Digitale Bibliothek — Deutschland erwache! : Geschichte d. Nationalsozialismus Projekt Gutenberg — Deutschland erwache! von Ernst Ottwalt Bundeszentrale für politische Bildung — § 86a StGB Wikipedia — Sturmabteilung (SA) Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm — Stichwort: Erwachen Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
3 Personen mit 3 belegten Erwähnungen
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