VonArthur Ehrhardt (Nation Europa), Heinrich Schade (Jahrbuch Deutsche Annalen), Alfred Häußler (Europäische Ärzte Aktion), Siegfried Ernst (Europäische Ärzte Aktion)
Der Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Erst beide Gipfel zusammen gelten als wiederbelebte NS-Sprache.
Hintergrund
Der Begriff "Volkstod" stammt aus bevölkerungspolitischen Debatten des frühen 20. Jahrhunderts, wo er als Schlagwort für den vermeintlichen Untergang des deutschen Volkes verwendet wurde.
Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Begriff in ihrer Propaganda, um ihre rassistische Bevölkerungspolitik zu rechtfertigen. Sie stilisierten die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur als "dysgenisch" und als Zeichen der "Dekadenz", die zu einer "rassischen Apokalypse" führen würde.
Nach 1945 wurde der Begriff in rechtsextremen Kreisen reaktiviert, insbesondere in den 1960er Jahren durch die Zeitschrift 'Nation Europa'.
In den 1970er und 1980er Jahren publizierte der Rassenhygieniker Heinrich Schade im 'Jahrbuch Deutsche Annalen' explizit zum drohenden Volkstod und kritisierte im Zusammenhang mit fehlendem nationalen 'Identitätsbewusstsein' die Emanzipationsbewegung der Frauen.
Heutige Rechtsextreme verwenden den Begriff in ähnlicher Weise, um gegen Einwanderung, Integration und den demografischen Wandel zu hetzen.
Kontext
Der Begriff "Volkstod" wird heute vor allem von Rechtsextremen verwendet, um eine bevorstehende "Apokalypse" zu inszenieren und eine Drohkulisse aufzubauen. Sie subsumieren darunter Prozesse wie demographische Entwicklung, Abwanderung aus ländlichen Gebieten oder Deutschland als Einwanderungsgesellschaft. In ihrer Sicht sind dies Zeichen des Sterbens der völkischen Gemeinschaft. Gleichzeitig greifen sie damit polarisierend reale Problemlagen auf – nicht als Herausforderungen einer Gesellschaft, sondern als „Beweis“ für deren Scheitern. Volkstod ist den Rechtsextremen Synonym für die Demokratie als Ganzes. Ein Beispiel ist ein rechter "Kommentar" zu einer Ausstellung über Migration in Deutschland am 22.10.13 in Lauchhammer.
NS-Nachweis
Der Begriff "Volkstod" wurde im Nationalsozialismus verwendet, um die Bevölkerungspolitik und "Rassenhygiene" zu begründen (Petersen & Hindemith). Die NS-Ideologie konstruierte eine "Volksgemeinschaft", die dem "Volkstod" als Ideal entgegengestellt wurde.
Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur wurden als "dysgenisch" dargestellt und als Entwicklungen der "Dekadenz", die auf eine "rassische Apokalypse" zulaufe.
Der Begriff diente dazu, biologistische Vorstellungen von Mutterschaft und Vaterschaft in einer rassistischen "homogenen Gemeinschaft" zu verankern (Krüger).
Auch nach 1945 wurde der Begriff in rechtsextremen Kreisen verwendet, um gegen "fremde Mächte" zu hetzen, die angeblich auf den "Volkstod" hinarbeiten (Botsch & Kopke).
Strategische Funktion
1. APPREHENSION: Erzeugung von Angst und Panik: Der Begriff "Volkstod" wird verwendet, um ein Gefühl der Bedrohung und des Untergangs zu erzeugen, was die Bevölkerung verunsichern und für rechtsextreme Ideologien empfänglich machen soll.
2. MOBILISIERUNG: Rechtfertigung von Ausgrenzung und Gewalt: Durch die Behauptung eines drohenden "Volkstods" werden Feindbilder konstruiert und Maßnahmen gegen vermeintliche "Volksfeinde" gerechtfertigt, was bis hin zu Gewaltaufrufen reichen kann.
3. IDEOLOGISCHE FUNDIERUNG: Ablehnung von Demokratie und Vielfalt: Der Begriff dient als Kampfbegriff gegen die Demokratie und eine offene Gesellschaft, indem er suggeriert, dass diese zum "Sterben des Volkes" führen, und somit eine autoritäre "Volksgemeinschaft" als Alternative propagiert.