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Volkstod"

NS-Vokabular
Von: Arthur Ehrhardt (Nation Europa), Heinrich Schade (Jahrbuch Deutsche Annalen), Alfred Häußler (Europäische Ärzte Aktion), Siegfried Ernst (Europäische Ärzte Aktion)
Datum: 1959

Nutzungshäufigkeit

Volkstod"
Das „Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Dieses Doppel-Gipfel-Muster ist unser Kernkriterium.

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HintergrundDer Begriff "Volkstod" stammt aus bevölkerungspolitischen Debatten des frühen 20. Jahrhunderts, wo er als Schlagwort für den vermeintlichen Untergang des deutschen Volkes verwendet wurde. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Begriff in ihrer Propaganda, um ihre rassistische Bevölkerungspolitik zu rechtfertigen. Sie stilisierten die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur als "dysgenisch" und als Zeichen der "Dekadenz", die zu einer "rassischen Apokalypse" führen würde. Nach 1945 wurde der Begriff in rechtsextremen Kreisen reaktiviert, insbesondere in den 1960er Jahren durch die Zeitschrift 'Nation Europa'. In den 1970er und 1980er Jahren publizierte der Rassenhygieniker Heinrich Schade im 'Jahrbuch Deutsche Annalen' explizit zum drohenden Volkstod und kritisierte im Zusammenhang mit fehlendem nationalen 'Identitätsbewusstsein' die Emanzipationsbewegung der Frauen. Heutige Rechtsextreme verwenden den Begriff in ähnlicher Weise, um gegen Einwanderung, Integration und den demografischen Wandel zu hetzen.
KontextDer Begriff "Volkstod" wird heute vor allem von Rechtsextremen verwendet, um eine bevorstehende "Apokalypse" zu inszenieren und eine Drohkulisse aufzubauen. Sie subsumieren darunter Prozesse wie demographische Entwicklung, Abwanderung aus ländlichen Gebieten oder Deutschland als Einwanderungsgesellschaft. In ihrer Sicht sind dies Zeichen des Sterbens der völkischen Gemeinschaft. Gleichzeitig greifen sie damit polarisierend reale Problemlagen auf – nicht als Herausforderungen einer Gesellschaft, sondern als „Beweis“ für deren Scheitern. Volkstod ist den Rechtsextremen Synonym für die Demokratie als Ganzes. Ein Beispiel ist ein rechter "Kommentar" zu einer Ausstellung über Migration in Deutschland am 22.10.13 in Lauchhammer.
NS-Nachweis

Der Begriff "Volkstod" wurde im Nationalsozialismus verwendet, um die Bevölkerungspolitik und "Rassenhygiene" zu begründen (Petersen & Hindemith). Die NS-Ideologie konstruierte eine "Volksgemeinschaft", die dem "Volkstod" als Ideal entgegengestellt wurde. Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur wurden als "dysgenisch" dargestellt und als Entwicklungen der "Dekadenz", die auf eine "rassische Apokalypse" zulaufe. Der Begriff diente dazu, biologistische Vorstellungen von Mutterschaft und Vaterschaft in einer rassistischen "homogenen Gemeinschaft" zu verankern (Krüger). Auch nach 1945 wurde der Begriff in rechtsextremen Kreisen verwendet, um gegen "fremde Mächte" zu hetzen, die angeblich auf den "Volkstod" hinarbeiten (Botsch & Kopke).

Strategische Funktion

1. APPREHENSION: Erzeugung von Angst und Panik: Der Begriff "Volkstod" wird verwendet, um ein Gefühl der Bedrohung und des Untergangs zu erzeugen, was die Bevölkerung verunsichern und für rechtsextreme Ideologien empfänglich machen soll.
2. MOBILISIERUNG: Rechtfertigung von Ausgrenzung und Gewalt: Durch die Behauptung eines drohenden "Volkstods" werden Feindbilder konstruiert und Maßnahmen gegen vermeintliche "Volksfeinde" gerechtfertigt, was bis hin zu Gewaltaufrufen reichen kann.
3. IDEOLOGISCHE FUNDIERUNG: Ablehnung von Demokratie und Vielfalt: Der Begriff dient als Kampfbegriff gegen die Demokratie und eine offene Gesellschaft, indem er suggeriert, dass diese zum "Sterben des Volkes" führen, und somit eine autoritäre "Volksgemeinschaft" als Alternative propagiert.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Volkstod
Politische Bildung Brandenburg — Lexikon: Volkstod Diskursatlas Antifeminismus — Volkstod Demos Brandenburg — Brauner Spuk? – Rechtsextreme in Südbrandenburg Weiterdenken — Naturliebe und Menschenhass.pdf Migrationsbegriffe — Inventar_Remigration_2025_Wagner.pdf Violence Prevention Network — Interventionen_6-2015.pdf Konrad-Adenauer-Stiftung — Rechtsextremismus-Portal+2015.pdf Idz Jena — Idz_WsD_07_WEB.pdf Bundeszentrale für politische Bildung — bpb.de Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
1 Person mit 1 belegter Erwähnung
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