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Tat-Elite"

NS-Vokabular
Von: Björn Höcke2 (AfD)
Datum: 2016

Nutzungshäufigkeit

Tat-Elite"
Das „Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Dieses Doppel-Gipfel-Muster ist unser Kernkriterium.

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HintergrundDer Begriff "Tat-Elite" erlangte im Nationalsozialismus Bedeutung als Selbstbezeichnung der SS, insbesondere im Bereich des Sports. Nach 1945 geriet der Begriff weitgehend in Vergessenheit, bevor er in den letzten Jahren von rechtsextremen Akteuren wiederbelebt wurde. Die Verwendung des Begriffs dient dazu, eine vermeintliche Elite zu konstruieren, die sich durch besondere Aktivität und Einsatzbereitschaft auszeichnet, während gleichzeitig die etablierten Eliten diffamiert werden. Die Wiederbelebung des Begriffs ist Teil einer Strategie, die auf die Schaffung einer völkischen Identität und die Ausgrenzung von Minderheiten abzielt.
KontextDer AfD-Politiker Björn Höcke2 verwendete den Begriff "Tat-Elite" mehrfach, unter anderem in einer Rede am Institut für Staatspolitik im Jahr 2016. Dort bezeichnete er seine eigene Bewegung als "Tat-Elite" und forderte, diese solle die "Pseudo-Eliten" um Angela Merkel ersetzen. Diese Selbstkennzeichnung fiel im Kontext von Höckes rassenbiologischen Thesen vom "afrikanischen Ausbreitungstypen". Es gibt keine bekannten Gerichtsverfahren oder Verurteilungen speziell für die Verwendung des Begriffs "Tat-Elite" durch Björn Höcke2.
NS-Nachweis

Die Verwendung des Begriffs "Tat-Elite" durch die SS wird in Bastian Heins Werk 'Eine „Tat-Elite“ in der „Volksgemeinschaft“: Vergemeinschaftung im Rahmen der Auslese und Praxis der Allgemeinen SS' (2014) sowie in Berno Bahros 'Der SS-Sport. Organisation – Funktion – Bedeutung' (2013) dokumentiert. Cornelia Schmitz-Berning führt den Begriff in ihrem 'Vokabular des Nationalsozialismus' als NS-belastet auf. Die Verwendung des Begriffs ist somit klar mit der Ideologie und den Zielen des Nationalsozialismus verbunden.

Strategische Funktion

1. SELBSTAUFWERTUNG: Die Bezeichnung als "Tat-Elite" dient der Selbstaufwertung der eigenen Anhängerschaft und der Konstruktion einer vermeintlichen Überlegenheit gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen. Dies soll die Bindung an die Bewegung stärken und die Bereitschaft zu Aktivismus und Gewalt fördern.
2. DIFFAMIERUNG ETABLIERTER ELITEN: Durch die Abgrenzung von den "Pseudo-Eliten" wird Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen und politischen Akteuren geschürt. Dies soll die Glaubwürdigkeit des politischen Systems untergraben und die Akzeptanz für alternative, autoritäre Modelle erhöhen.
3. REKRUTIERUNG: Der Begriff kann als Anreiz für potenzielle Anhänger dienen, sich einer vermeintlich elitären Bewegung anzuschließen und sich durch besondere "Taten" auszuzeichnen. Dies kann insbesondere auf junge Menschen anziehend wirken, die nach Anerkennung und Zugehörigkeit suchen.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Tat-Elite
Bastian Hein — Eine 'Tat-Elite' in der 'Volksgemeinschaft' (Brill 2014) bpb.de — Elite im 20. Jahrhundert dhm.de — Deutschland im Nationalsozialismus DISS — Zur NS-Rhetorik des AfD-Politikers Björn Höcke Zeithistorische Forschungen — Mit Nazis reden? Theodor Heuss’ Blick auf »Hitlers Weg« (1932) Berno Bahro — Der SS-Sport. Organisation – Funktion – Bedeutung Bastian Hein — Eine „Tat-Elite“ in der „Volksgemeinschaft“: Vergemeinschaftung im Rahmen der Auslese und Praxis der Allgemeinen SS Cornelia Schmitz-Berning — Vokabular des Nationalsozialismus Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
1 Person mit 2 belegten Erwähnungen
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