Reaktiviert

Lügenpresse"

Datumab 2001 (Neonazis), ab 2014 (Pegida, AfD)

1920Erster Korpusbeleg
1939NS-Gipfel
2017Reaktivierung
9Quellen
4Belegte Erwähnungen
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Zwei-Gipfel-Kriterium

Der Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Erst beide Gipfel zusammen gelten als wiederbelebte NS-Sprache.

Hintergrund

Der Begriff "Lügenpresse" hat eine lange und belastete Geschichte. Er entstand im 19. Jahrhundert in konservativen Kreisen als Reaktion auf gesellschaftliche Modernisierung und wurde gegen Journalisten und Autoren der Aufklärung eingesetzt. Nach der Märzrevolution 1848 wurde der Begriff in antisemitischem Kontext verwendet, um Juden für die vermeintlichen Übel der Moderne verantwortlich zu machen. Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Begriff, um Medien zu diffamieren und ihre Propaganda zu verbreiten. Nach der Jahrtausendwende wurde der Kampfbegriff zunächst von Neonazis wiederentdeckt und ab 2014 verstärkt von Pegida und der AfD genutzt, um Medien pauschal zu diskreditieren und Misstrauen zu säen. Die Verwendung des Begriffs zielt darauf ab, eine vermeintliche "Wahrheitspresse" zu etablieren, die oft aus rechtsnationalistischen Blogs und staatsnahen Sendern besteht.

Kontext

Der Begriff wird seit den frühen 2000er Jahren von Neonazis und ab 2014 verstärkt in AfD- und Pegida-Kreisen verwendet, um Medien zu diskreditieren, die über Themen wie Flucht, Terrorismus und Integration berichten. Es wird von "Staatsfunk", "System-Medien" und "gekauften Journalisten" gesprochen, die ein "gleichgeschaltetes journalistisches Establishment" bilden sollen.

NS-Nachweis

Die Nationalsozialisten instrumentalisierten den Begriff zur Diffamierung der Presse und zur Verbreitung ihrer Propaganda.

Strategische Funktion

1. DELEGITIMIERUNG: Die pauschale Diffamierung von Medien untergräbt das Vertrauen in unabhängige Berichterstattung und Meinungsbildung.
2. INFORMATIONSMONOPOL: Durch die Diskreditierung etablierter Medien wird der Weg für alternative, oft extremistische Informationsquellen geebnet.
3. POLARISIERUNG: Der Begriff spaltet die Gesellschaft in "Wir" (das vermeintlich aufgeklärte Volk) gegen "Die" (die manipulierende Elite und ihre Medien).
4. VERHINDERUNG VON SACHLICHER AUSEINANDERSETZUNG: Kritik an Medien wird durch den Kampfbegriff im Keim erstickt und eine rationale Debatte verunmöglicht.