Zurück zur Übersicht
Vorheriges: EinsatzgruppeNächstes: Festung Europa

Ethnopluralismus"

NS-Vokabular
Von: Henning Eichberg (Neue Rechte), Björn Höcke1 (AfD)
Datum: 1970er Jahre (Eichberg), 2010er Jahre (AfD)

Nutzungshäufigkeit

Ethnopluralismus"
Das „Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Dieses Doppel-Gipfel-Muster ist unser Kernkriterium.

Einsatzgruppe (Graph)Festung Europa (Graph)
HintergrundDer Begriff 'Ethnopluralismus' entstand in den 1970er Jahren im Umfeld der Neuen Rechten als Ablösung des biologistischen Rassebegriffs durch einen kulturalistischen. Er geht auf den deutschen Theoretiker Henning Eichberg zurück. Nach 1945 wurde der Begriff zunächst kaum verwendet, erlebte aber in den 1990er Jahren eine Renaissance im Kontext der Neuen Rechten. Diese nutzt ihn, um eine vermeintliche Gleichwertigkeit verschiedener 'Kulturen' zu propagieren, die jedoch nicht vermischt werden sollten. Die Betonung der 'Eigenart' jeder Kultur dient als Vorwand für Ausgrenzung und Rassismus. Heute wird der Begriff vor allem von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien wie der AfD verwendet, um ihre Ablehnung von Migration und Vielfalt zu legitimieren.
KontextDer Begriff 'Ethnopluralismus' wird von der Neuen Rechten und der AfD verwendet, um eine vermeintliche 'Völkervielfalt' zu propagieren, die jedoch auf Ausgrenzung und Ablehnung von Migration abzielt. Henning Eichberg entwickelte das Konzept in den 1970er Jahren. Die Identitäre Bewegung fordert die Aufnahme des Prinzips des Ethnopluralismus ins Grundgesetz. Rechtspopulisten, Neonazis und andere Rechtsradikale sprechen heute häufig vom „Großen Austausch“ der Völker in Europa, der aufgehalten und durch „Remigration“ umgekehrt werden müsste. Björn Höcke1 und andere AfD-Politiker nutzen den Begriff indirekt, indem sie vor einer 'Vermischung der Kulturen' warnen und eine 'deutsche Leitkultur' betonen. Obwohl der Begriff selbst nicht strafbar ist, dient er als ideologische Grundlage für fremdenfeindliche und rassistische Positionen. Die Verwendung des Begriffs zielt darauf ab, eine vermeintliche wissenschaftliche Grundlage für die Ablehnung von Vielfalt und die Forderung nach kultureller Homogenität zu schaffen.
NS-Nachweis

Obwohl der Begriff 'Ethnopluralismus' nicht direkt aus der NS-Zeit stammt, transportiert er völkische Vorstellungen, die im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle spielten. Die NS-Ideologie basierte auf der Vorstellung einer 'Volksgemeinschaft', die durch rassische Reinheit und kulturelle Homogenität definiert war. Der Ethnopluralismus knüpft an diese Vorstellung an, indem er die 'Reinheit' der Kulturen betont und vor 'Vermischung' warnt. Diese Argumentation dient dazu, rassistische und fremdenfeindliche Positionen zu legitimieren, ohne offen biologistische Rassebegriffe zu verwenden. Akademische Auseinandersetzungen, beispielsweise von Alexander Häusler, zeigen die ideologischen Parallelen und Kontinuitäten zwischen Ethnopluralismus und NS-Gedankengut (Häusler, A. (2012). Rechtsextremismus. transcript Verlag).

Strategische Funktion

1. LEGITIMIERUNG VON AUSGRENZUNG: Der Begriff dient dazu, rassistische und fremdenfeindliche Positionen zu legitimieren, indem er den Eindruck erweckt, es gehe lediglich um den Schutz kultureller Vielfalt. Dies verschleiert die eigentliche Absicht, Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Kultur auszugrenzen.
2. VERHARMLOSUNG VON RASSISMUS: Durch die Vermeidung offener Rassebegriffe wird der Eindruck erweckt, es handle sich nicht um Rassismus, sondern um eine legitime politische Position. Dies erschwert die Auseinandersetzung mit den eigentlichen rassistischen Motiven.
3. MOBILISIERUNG VON ANHÄNGERN: Der Begriff dient als Identifikationsangebot für Menschen, die sich von der vermeintlichen 'Überfremdung' ihrer Kultur bedroht fühlen. Er bietet eine scheinbar rationale Begründung für ihre Ängste und Ressentiments und mobilisiert sie für rechtspopulistische und rechtsextreme Ziele.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Ethnopluralismus
Politische Bildung Brandenburg — Lexikon: Ethnopluralismus Leuchtlinie.de — Glossar: Ethnopluralismus Wir selbst — Ethnopluralismus – eine antikoloniale Begriffsgeschichte GRIN — Das Konzept des Ethnopluralismus in der 'Neuen Rechten' Bundeszentrale für politische Bildung — Ethnopluralismus Gegneranalyse — [Erklärvideo 2/4] Ethnopluralismus – Das rassistische Märchen vom „Großen Austausch“ Momentum Kongress — Vortrag P. Bruns-Strobl Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
2 Personen mit 2 belegten Erwähnungen
VorherigesEinsatzgruppe
NächstesFestung Europa