Für diesen Begriff ist das Zwei-Gipfel-Muster (NS-Zeit → tabuisiert → Reaktivierung) in den Nutzungsdaten nicht eindeutig nachweisbar. Die Aufnahme stützt sich stattdessen auf die historische Provenienz, belegte Einzelverwendungen oder die ideologische Funktion — siehe „Hintergrund" und „Strategische Funktion".
Hintergrund
Der Begriff 'Ethnopluralismus' entstand in den 1970er Jahren im Umfeld der Neuen Rechten als Ablösung des biologistischen Rassebegriffs durch einen kulturalistischen. Er geht auf den deutschen Theoretiker Henning Eichberg zurück.
Nach 1945 wurde der Begriff zunächst kaum verwendet, erlebte aber in den 1990er Jahren eine Renaissance im Kontext der Neuen Rechten. Diese nutzt ihn, um eine vermeintliche Gleichwertigkeit verschiedener 'Kulturen' zu propagieren, die jedoch nicht vermischt werden sollten. Die Betonung der 'Eigenart' jeder Kultur dient als Vorwand für Ausgrenzung und Rassismus. Heute wird der Begriff vor allem von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien wie der AfD verwendet, um ihre Ablehnung von Migration und Vielfalt zu legitimieren.
Kontext
Der Begriff 'Ethnopluralismus' wird von der Neuen Rechten und der AfD verwendet, um eine vermeintliche 'Völkervielfalt' zu propagieren, die jedoch auf Ausgrenzung und Ablehnung von Migration abzielt. Henning Eichberg entwickelte das Konzept in den 1970er Jahren. Die Identitäre Bewegung fordert die Aufnahme des Prinzips des Ethnopluralismus ins Grundgesetz. Rechtspopulisten, Neonazis und andere Rechtsradikale sprechen heute häufig vom „Großen Austausch“ der Völker in Europa, der aufgehalten und durch „Remigration“ umgekehrt werden müsste.
Björn Höcke1 und andere AfD-Politiker nutzen den Begriff indirekt, indem sie vor einer 'Vermischung der Kulturen' warnen und eine 'deutsche Leitkultur' betonen. Obwohl der Begriff selbst nicht strafbar ist, dient er als ideologische Grundlage für fremdenfeindliche und rassistische Positionen. Die Verwendung des Begriffs zielt darauf ab, eine vermeintliche wissenschaftliche Grundlage für die Ablehnung von Vielfalt und die Forderung nach kultureller Homogenität zu schaffen.
Einordnung
Obwohl der Begriff 'Ethnopluralismus' nicht direkt aus der NS-Zeit stammt, transportiert er völkische Vorstellungen, die im Nationalsozialismus eine zentrale Rolle spielten. Die NS-Ideologie basierte auf der Vorstellung einer 'Volksgemeinschaft', die durch rassische Reinheit und kulturelle Homogenität definiert war.
Der Ethnopluralismus knüpft an diese Vorstellung an, indem er die 'Reinheit' der Kulturen betont und vor 'Vermischung' warnt. Diese Argumentation dient dazu, rassistische und fremdenfeindliche Positionen zu legitimieren, ohne offen biologistische Rassebegriffe zu verwenden. Akademische Auseinandersetzungen, beispielsweise von Alexander Häusler, zeigen die ideologischen Parallelen und Kontinuitäten zwischen Ethnopluralismus und NS-Gedankengut (Häusler, A. (2012). Rechtsextremismus. transcript Verlag).
Strategische Funktion
1. LEGITIMIERUNG VON AUSGRENZUNG: Der Begriff dient dazu, rassistische und fremdenfeindliche Positionen zu legitimieren, indem er den Eindruck erweckt, es gehe lediglich um den Schutz kultureller Vielfalt. Dies verschleiert die eigentliche Absicht, Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Kultur auszugrenzen.
2. VERHARMLOSUNG VON RASSISMUS: Durch die Vermeidung offener Rassebegriffe wird der Eindruck erweckt, es handle sich nicht um Rassismus, sondern um eine legitime politische Position. Dies erschwert die Auseinandersetzung mit den eigentlichen rassistischen Motiven.
3. MOBILISIERUNG VON ANHÄNGERN: Der Begriff dient als Identifikationsangebot für Menschen, die sich von der vermeintlichen 'Überfremdung' ihrer Kultur bedroht fühlen. Er bietet eine scheinbar rationale Begründung für ihre Ängste und Ressentiments und mobilisiert sie für rechtspopulistische und rechtsextreme Ziele.