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Arbeitsdienst"

Rückläufig
Von: Adolf Hitler1 (NSDAP), Konstantin Hierl1 (NSDAP)
Datum: 26. Juni 1935

Nutzungshäufigkeit

Arbeitsdienst"
Einordnung

Für diesen Begriff ist das typische Doppel-Gipfel-Muster (NS-Zeit → tabuisiert → Reaktivierung) in den Nutzungsdaten nicht eindeutig nachweisbar. Die Aufnahme stützt sich stattdessen auf die historische Provenienz, belegte Einzelverwendungen oder die ideologische Funktion — siehe Abschnitte „Hintergrund" und „Strategische Funktion".

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HintergrundDer Begriff 'Arbeitsdienst' hat seine Wurzeln in der Zeit vor dem Nationalsozialismus, wurde aber durch die NS-Ideologie massiv umgedeutet und instrumentalisiert. Bereits in der Weimarer Republik gab es den 'Freiwilligen Arbeitsdienst' (FAD) als Maßnahme zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. 1931 wurde der FAD als öffentlich gefördertes Beschäftigungsprogramm eingeführt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Arbeitsdienst ab 1935 unter der Leitung von Konstantin Hierl1 zwangsweise für junge Männer eingeführt und später auch auf Frauen ausgeweitet. Der Reichsarbeitsdienst (RAD) diente nicht nur der Verrichtung gemeinnütziger Arbeiten, sondern vor allem der ideologischen Schulung und militärischen Vorbereitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der RAD aufgelöst, doch der Begriff 'Arbeitsdienst' blieb in verschiedenen Kontexten erhalten. In der DDR existierte der 'Arbeitsdienst 'Dienst für Deutschland'', der ähnliche Ziele verfolgte. Heute wird der Begriff gelegentlich von rechtsextremen Gruppierungen verwendet, um an die NS-Zeit anzuknüpfen und eine vermeintliche 'Volksgemeinschaft' zu beschwören.
KontextDer Begriff 'Arbeitsdienst' erfuhr im Nationalsozialismus eine massive Aufwertung und Instrumentalisierung. Am 26. Juni 1935 wurde der freiwillige Arbeitsdienst (FAD) durch ein Reichsgesetz in eine Arbeitsdienstpflicht umgewandelt. Dieses Gesetz definierte, wer zum Reichsarbeitsdienst (RAD) herangezogen wurde und wer nicht, wobei 'Nichtarier', mit 'Nichtariern' verheiratete Personen und körperlich Untaugliche ausgeschlossen wurden. Der RAD diente als Instrument zur ideologischen Schulung und zur Vorbereitung junger Männer auf den Wehrdienst. Die NS-Propaganda stilisierte den Arbeitsdienst als 'Dienst am Volk' und als Mittel zur Überwindung von Klassengegensätzen. Der Arbeitsdienst wurde somit zu einem zentralen Element der NS-Gesellschaftspolitik und zur Vorbereitung auf den Krieg.
Einordnung

Die NS-Instrumentalisierung des 'Arbeitsdienstes' ist umfassend dokumentiert und analysiert. Historiker wie Michael Wildt und Klaus-Michael Mallmann haben in ihren Werken die Rolle des RAD bei der Formierung der NS-Gesellschaft und der Vorbereitung auf den Krieg herausgearbeitet. Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) hat zahlreiche Dokumente und Analysen zum Thema veröffentlicht, die die ideologische Durchdringung und die Zwangsarbeit im Rahmen des RAD belegen. Die Propaganda des NS-Regimes stilisierte den Arbeitsdienst als 'Ehrendienst' und als Mittel zur 'Volkserziehung', während er in Wirklichkeit ein Instrument zur Disziplinierung und ideologischen Gleichschaltung der Bevölkerung war (siehe z.B. Benz, Wolfgang: Dimension des Völkermords. Die nationalsozialistische Judenverfolgung im Spiegel der Forschung. München: Oldenbourg, 1991).

Strategische Funktion

1. FUNKTION: Schaffung einer 'Volksgemeinschaft': Der Arbeitsdienst sollte dazu dienen, Klassengegensätze aufzuheben und ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen. Dies diente der Mobilisierung der Bevölkerung für die Ziele des NS-Regimes.
2. FUNKTION: Militärische Vorbereitung: Der Arbeitsdienst diente als Vorbereitung auf den Wehrdienst und vermittelte militärische Grundkenntnisse und Disziplin. Dies trug zur Aufrüstung der Wehrmacht bei.
3. FUNKTION: Ideologische Schulung: Durch den Arbeitsdienst wurden junge Menschen einer intensiven ideologischen Schulung unterzogen, um sie zu überzeugten Nationalsozialisten zu machen. Dies diente der Festigung des NS-Regimes.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Arbeitsdienst
Reichsgesetz vom 26. Juni 1935 Learnattack – Arbeitsdienst, Reichsarbeitsdienst Geschichte Reckenfeld – Reichsarbeitsdienst (RAD) in Reckenfeld Institut für Zeitgeschichte – Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Deutsches Historisches Museum – Nationalsozialismus Duncker & Humblot – Arbeitsdienst in Deutschland Körber Stiftung – Arbeit am Boden - Erziehung am Menschen. Der Reichsarbeitsdienst Bundeszentrale für politische Bildung – Der Arbeitsdienst „Dienst für Deutschland“ Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
3 Personen mit 3 belegten Erwähnungen
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