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Reichsbürger"

NS-Vokabular
Von: Wolfgang Ebel (Kommissarische Reichsregierung), Peter Fitzek (Königreich Deutschland), Heinrich XIII Prinz Reuß (Patriotische Union)
Datum: 29. August 2020

Nutzungshäufigkeit

Reichsbürger"
Das „Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Dieses Doppel-Gipfel-Muster ist unser Kernkriterium.

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HintergrundDer Begriff "Reichsbürger" bezeichnet Einzelpersonen und Gruppierungen, die die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland ablehnen und behaupten, das Deutsche Reich bestehe fort. Einschlägige Argumentationsmuster kursierten bereits im frühen Nachkriegsrechtsextremismus. Als erste feste Organisation gilt die 1985 von Wolfgang Ebel gegründete "Kommissarische Reichsregierung" (KRR). Ab Mitte der 2000er Jahre erlebte die Szene einen Aufschwung mit der Gründung weiterer Gruppierungen und Pseudo-Staaten. In den 2010er Jahren erlangte das Phänomen größere öffentliche Aufmerksamkeit, insbesondere durch den Mord an einem Polizisten im Jahr 2016. Reichsbürger verweigern sich oft staatlichen Institutionen und Gesetzen, was zu Konflikten mit Behörden führt.
KontextAm 29. August 2020 überstiegen hunderte Menschen am Rande einer Anti-Lockdown-Demonstration in Berlin die Absperrungen um den Deutschen Bundestag und erklommen die Treppen des Reichstagsgebäudes. Demonstrierende schwenkten die schwarz-weiß-rote Fahne des Deutschen Reichs. Zuvor hatte eine Heilpraktikerin, die dem "Reichsbürger"- und "QAnon"-Milieu zugerechnet wird, auf einer Bühne verkündet, der damalige US-Präsident Donald Trump sei zur Befreiung Deutschlands in Berlin gelandet. Viele Anhänger der Reichsbürger-Ideologie erwarten von Donald Trump und Wladimir Putin die Rettung vor der Weltverschwörung und dem unterstellten „Great Reset".
NS-Nachweis

Obwohl der Begriff "Reichsbürger" nicht direkt aus der NS-Zeit stammt, ist er NS-kontaminiert, da die Ideologie oft auf einer Verklärung des Deutschen Reichs basiert und revisionistische Geschichtsbilder verbreitet. Die Berufung auf das Deutsche Reich impliziert eine Ablehnung der Nachkriegsordnung und der demokratischen Werte. Rechtsextreme nutzen den Begriff, um eine Kontinuität zum NS-Regime herzustellen und die Bundesrepublik als illegitim darzustellen (vgl. Butterwegge, Rechtsextremismus im 21. Jahrhundert). Die Schnittmengen mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Denkmustern verstärken die NS-Kontamination (vgl. Apuz, Reichsbürger und Souveränismus).

Strategische Funktion

1. ABLEHNUNG DER STAATLICHEN ORDNUNG: Durch die Leugnung der Legitimität der Bundesrepublik Deutschland untergraben Reichsbürger das Vertrauen in staatliche Institutionen und Gesetze. Dies schwächt die Autorität des Staates und gefährdet die Rechtsstaatlichkeit.
2. MOBILISIERUNG GEGEN DEMOKRATISCHE PROZESSE: Reichsbürger nutzen ihre Ideologie, um gegen politische Entscheidungen und Maßnahmen zu agitieren. Sie instrumentalisieren Demonstrationen und soziale Medien, um ihre Anhänger zu mobilisieren und die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
3. VERBREITUNG VON VERSCHWÖRUNGSERZÄHLUNGEN: Reichsbürger sind oft Teil eines Netzwerks von Verschwörungstheoretikern, die Desinformationen verbreiten und das Vertrauen in Medien und Wissenschaft untergraben. Dies führt zu einer Polarisierung der Gesellschaft und erschwert eine rationale politische Debatte.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Reichsbürger
Bundesverfassungsgericht — Urteil von 1973 Bundeszentrale für politische Bildung — Reichsbürger und Souveränismus (Apuz) Ministerium für Inneres Sachsen-Anhalt — Tagungsband Reichsbürger Waldorfschule — Reichsbürger ZDF Schule — Die Welt der Reichsbürger Verfassungsschutz Baden-Württemberg — Schöne alte Welt Konrad-Adenauer-Stiftung — Reichsbürger Inlibra — Jahrbuch Extremismus & Demokratie Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
2 Personen mit 2 belegten Erwähnungen
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