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Jedem das Seine"

NS-kontaminiert
Von: Felix Klein1, Christine Lambrecht (SPD), Ali Al-Dailami (Die Linke)
Datum: 1938 (Inschrift)

Nutzungshäufigkeit

Jedem das Seine"
Einordnung

Für diesen Begriff ist das typische Doppel-Gipfel-Muster (NS-Zeit → tabuisiert → Reaktivierung) in den Nutzungsdaten nicht eindeutig nachweisbar. Die Aufnahme stützt sich stattdessen auf die historische Provenienz, belegte Einzelverwendungen oder die ideologische Funktion — siehe Abschnitte „Hintergrund" und „Strategische Funktion".

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HintergrundDie Redewendung "Jedem das Seine" hat ihren Ursprung in der Antike und bedeutet, dass jeder das bekommt, was ihm zusteht. Im Nationalsozialismus wurde der Spruch jedoch pervertiert und ab 1938 am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald angebracht, was ihn nachhaltig diskreditierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Spruch zunächst in den Hintergrund, erlebte aber in den 1990er Jahren eine Wiederbelebung in der Werbung, was zu öffentlicher Kritik führte. Trotz der NS-Belastung wird der Spruch bis heute vereinzelt verwendet, wobei seine Verwendung stets kontroverse Reaktionen auslöst. Die Debatte dreht sich darum, ob die lange Tradition des Spruchs seine NS-Instrumentalisierung aufwiegt oder ob die Assoziation mit dem KZ Buchenwald eine weitere Verwendung unmöglich macht.
KontextDie Redewendung "Jedem das Seine" erfuhr in den 1990er Jahren eine Wiederbelebung als Werbeslogan verschiedener Unternehmen wie Nokia, Rewe und Deutsche Telekom, was zu öffentlicher Kritik führte. Im Jahr 2023 forderte der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein1 die Entfernung des Spruchs vom Verbandsabzeichen der Feldjäger der Bundeswehr, da er als Inschrift am Eingangstor des KZ Buchenwald diente. Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) lehnte dies zunächst ab, während Ali Al-Dailami (Die Linke) die Entfernung forderte.
Einordnung

Die NS-Belastung von "Jedem das Seine" ist durch seine Verwendung als Inschrift am Haupttor des Konzentrationslagers Buchenwald dokumentiert. Franz Ehrlich, ein Häftling und Bauhaus-Schüler, entwarf die Typografie der Inschrift. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) thematisiert die Problematik des lexikalischen NS-Erbes und die Weiterverwendung belasteter Begriffe wie "Jedem das Seine". Thorsten Eitz und Georg Stötzel behandeln den Begriff in ihrem "Wörterbuch der Vergangenheitsbewältigung". Victor Klemperer bemerkte bereits 1947 das Überleben sprachlichen Erbes des Dritten Reichs.

Strategische Funktion

1. VERHARMLOSUNG: Die Verwendung des Spruchs wird oft dahingehend kritisiert, dass sie die NS-Vergangenheit relativiert, indem die Verbindung zum KZ Buchenwald ausgeblendet wird. Dies kann die Sensibilität für die historische Belastung des Begriffs mindern.
2. NORMALISIERUNG: Kritiker sehen in der Verwendung NS-belasteter Begriffe eine Tendenz zur Normalisierung, die dazu führen kann, dass die Grenze zu rechtsextremer Sprache im gesellschaftlichen Diskurs verschwimmt.
3. DIFFAMIERUNG: Die Verwendung kann als Herabwürdigung von Opfern des Nationalsozialismus wahrgenommen werden, da der Spruch untrennbar mit der Inschrift am Tor des KZ Buchenwald und dem dortigen Leid verbunden ist.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Jedem das Seine
Bundeszentrale für politische Bildung — Jedem das Seine - zur Aufarbeitung des lexikalischen NS-Erbes Jüdische Allgemeine — Die Feldjäger und ihr Motto »Jedem das Seine« Politische Bildung Brandenburg — Jedem das Seine – Zur Geschichte einer Redewendung Campact Blog — Nazi-Sprech: Propaganda & Nazibegriffe Gedenkstätte Buchenwald — Ausstellungsankündigung Spiegel Online — Schüler-Union startet Kampagne gegen Gesamtschulen Frank Brunssen — Verwendungsgeschichte der Redewendung „Jedem das Seine“ Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
2 Personen mit 2 belegten Erwähnungen
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