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Innerer Reichsparteitag"

NS-Vokabular
Von: Katrin Müller-Hohenstein1 (ZDF), Wolfgang Kubicki (FDP)
Datum: 2010, 2013

Nutzungshäufigkeit

Innerer Reichsparteitag"
Das „Nazisprech"-Kriterium

Dieser Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Dieses Doppel-Gipfel-Muster ist unser Kernkriterium.

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HintergrundDer Begriff 'Innerer Reichsparteitag' entstand während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Er diente als ironische oder parodistische Anspielung auf die Reichsparteitage der NSDAP in Nürnberg, die als massive Propagandaveranstaltungen inszeniert wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Begriff zunächst in den Hintergrund, wurde aber in bestimmten Kreisen weiterhin verwendet, oft in ironischem oder distanziertem Kontext. In den letzten Jahrzehnten ist eine Wiederbelebung des Begriffs zu beobachten, wobei er gelegentlich in den Medien oder im öffentlichen Diskurs auftaucht. Diese Verwendung ist jedoch oft umstritten, da der Begriff aufgrund seiner NS-Vergangenheit als belastet gilt und bei vielen Menschen negative Assoziationen hervorruft. Die Verwendung des Begriffs wird oft als Verharmlosung der NS-Zeit kritisiert.
KontextDer Begriff 'Innerer Reichsparteitag' erlangte 2010 größere Aufmerksamkeit, als ihn Katrin Müller-Hohenstein1, eine Sportmoderatorin des ZDF, während einer Fußball-Weltmeisterschaftssendung verwendete. Sie kommentierte ein Tor des deutschen Spielers Miroslav Klose mit den Worten, es sei für ihn 'ein innerer Reichsparteitag'. Dies löste eine Kontroverse aus, da viele Zuschauer die Verwendung eines solchen Begriffs im Kontext eines Sportereignisses als unangemessen und geschmacklos empfanden. Später, im Jahr 2013, verwendete Wolfgang Kubicki (FDP) den Begriff im Zusammenhang mit dem politischen Engagement von Bernd Buchholz, was ebenfalls Kritik hervorrief. Kubicki weigerte sich jedoch, sich zu seiner Wortwahl zu äußern.
NS-Nachweis

Der NS-Bezug des Begriffs 'Innerer Reichsparteitag' ist durch historische Quellen und wissenschaftliche Arbeiten belegt. Lutz Röhrich erwähnt den Begriff in seinem 'Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten' (1991) als eine mit parodistischer Beziehung auf die Nürnberger Nazi-Großaufmärsche aufgekommene Wendung. Auch Brackmann und Birkenhauer beschreiben in ihrem Buch über NS-Deutsch (1988) die Wendung in ähnlicher Weise. Victor Klemperer thematisiert in 'LTI: Notizbuch eines Philologen' die Kontamination der deutschen Sprache durch den Nationalsozialismus. Eckart Dietzfelbinger vom Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg betont die Wirkungsmächtigkeit der NS-Parteitage und die damit verbundene Verletzung von Gefühlen bei der Verwendung des Begriffs.

Strategische Funktion

1. VERHARMLOSUNG: Durch die ironische oder parodistische Verwendung des Begriffs wird die NS-Vergangenheit verharmlost und die Gräueltaten des Regimes relativiert. Dies kann dazu führen, dass die Sensibilität für die Gefahren des Rechtsextremismus abnimmt.
2. NORMALISIERUNG: Die Verwendung des Begriffs im öffentlichen Diskurs, beispielsweise in den Medien, trägt zur Normalisierung von NS-Vokabular bei. Dies kann dazu führen, dass die Hemmschwelle für die Verwendung weiterer NS-belasteter Begriffe sinkt.

Quellen & Belege

Wikipedia-Artikel: Innerer Reichsparteitag
Focus — Gefährlich entgleist: Innerer Reichsparteitag Tagesspiegel — Wolfgang Kubickis innerer Reichsparteitag taz — Netz debattiert Reichsparteitags-Spruch Jüdische Allgemeine — So dahingesagt Susanne Kleiner — Dem Frieden zuliebe: Zehn Redewendungen, die wir besser aus unserem Wortschatz streichen Wikipedia — Reichsparteitage Deutsches Historisches Museum — Reichsparteitage Wikipedia: Kategorie Sprache des Nationalsozialismus bpb: Vokabeln im Nationalsozialismus Campact Blog: Nazi-Sprech WirtschaftsWoche: Nazi-Wörter Wikipedia: Sprache des Nationalsozialismus Geschichte Abitur: Sprache im Nationalsozialismus Chrismon: AfD-Sprache zeigt Nähe zum Rechtsextremismus Wikipedia: Glossary of Nazi Germany Spiegel Online: Wie die AfD unsere Sprache nach rechts verschiebt Esquire: Vorsicht, Nazi-Vokabular! Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Vortrag) Matthias Heine: Verbrannte Wörter (Transkript/36c3) bpb: Zehn Stigmavokabeln SRF Kultur: Wörter des Grauens Wikipedia: Nazi-Vergleich Babbel Magazin: Rassistische Wörter und Redewendungen Focus Online: Nazi-Sprache Deutschlandfunk: Die Sprache der AfD Rolling Planet: Vorsicht vor Wörtern aus der NS-Zeit Wikipedia: Liste rechtsextremer Kampfbegriffe Zeit Online: NS-Rhetorik der AfD Heuler Magazin: Redewendungen aus der Nazi-Zeit
1 Person mit 1 belegter Erwähnung
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