Der Graph zeigt das Wiederaufleben eines historisch belasteten Begriffs: populär während der NS-Diktatur (1933–1945), nach 1945 tabuisiert, bis zur belegten Reaktivierung durch rechtsextreme Akteure in der jüngeren Gegenwart. Erst beide Gipfel zusammen gelten als wiederbelebte NS-Sprache.
Hintergrund
Der Begriff "Herrenrasse" ist ein zentrales Element der nationalsozialistischen Ideologie. Er wurzelt in rassistischen Theorien des 19. Jahrhunderts, wurde aber von den Nationalsozialisten pervertiert und instrumentalisiert, um ihre Vorstellung einer hierarchischen Ordnung der Völker zu untermauern. Die "arische Rasse" wurde als überlegen dargestellt, während andere Gruppen, insbesondere Juden, Sinti und Roma, als minderwertig und lebensunwert diffamiert wurden. Nach 1945 wurde der Begriff weitgehend geächtet, findet aber in rechtsextremen Kreisen weiterhin Verwendung, oft in abgewandelter Form oder als Codewort. Die Verwendung des Begriffs oder ähnlicher Konzepte dient dazu, rassistische Ressentiments zu schüren und eine vermeintliche Überlegenheit bestimmter Gruppen zu konstruieren.
Kontext
Der Begriff wurde von der völkischen Bewegung, den Nationalsozialisten sowie von modernen Rechtsextremisten genutzt, um eine rassistische Ideologie zu untermauern und die angebliche Überlegenheit einer „Herrenrasse“ gegenüber anderen Gruppen zu propagieren. Dies diente und dient als Rechtfertigung für Diskriminierung, Verfolgung und Völkermord.
NS-Nachweis
Der Begriff "Herrenrasse" ist untrennbar mit der NS-Ideologie verbunden. Alfred Rosenberg, einer der führenden NS-Ideologen, propagierte die Vorstellung einer "nordischen Rasse" als Herrenrasse in seinem Buch "Der Mythos des 20. Jahrhunderts" (1930). Diese Ideologie diente als Grundlage für die Rassenpolitik des NS-Regimes und die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Menschen. (Rosenberg, Alfred. Der Mythos des 20. Jahrhunderts. Hoheneichen Verlag, 1930.)
Strategische Funktion
1. DELEGITIMIERUNG: Durch die Abwertung anderer Gruppen als "minderwertig" wird deren Legitimität als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft in Frage gestellt. Dies dient dazu, Diskriminierung und Verfolgung zu rechtfertigen.
2. LEGITIMIERUNG DER EIGENEN MACHT: Die Konstruktion einer "Herrenrasse" dient dazu, die eigene Machtposition zu legitimieren und zu festigen. Die vermeintliche Überlegenheit wird als Rechtfertigung für Herrschaft und Ausbeutung dargestellt.
3. SCHAFFUNG EINER GRUPPENIDENTITÄT: Der Begriff "Herrenrasse" dient dazu, eine starke Gruppenidentität zu schaffen und die Anhänger der Ideologie zu mobilisieren. Die Vorstellung einer gemeinsamen Abstammung und Überlegenheit soll den Zusammenhalt stärken und die Bereitschaft zur Durchsetzung der Ideologie erhöhen.