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Deutsches Wesen"

Rückläufig
Von: Alfred Rosenberg (NSDAP)
Datum: 1930

Nutzungshäufigkeit

Deutsches Wesen"
Einordnung

Für diesen Begriff ist das typische Doppel-Gipfel-Muster (NS-Zeit → tabuisiert → Reaktivierung) in den Nutzungsdaten nicht eindeutig nachweisbar. Die Aufnahme stützt sich stattdessen auf die historische Provenienz, belegte Einzelverwendungen oder die ideologische Funktion — siehe Abschnitte „Hintergrund" und „Strategische Funktion".

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HintergrundDie Idee eines 'Deutschen Wesens' hat Wurzeln im 19. Jahrhundert, als im Zuge der Nationalbewegung nach einer kulturellen und nationalen Identität gesucht wurde. Diese Suche wurde im Kaiserreich und in der Weimarer Republik fortgesetzt, wobei der Begriff zunehmend nationalistisch und völkisch aufgeladen wurde. Im Nationalsozialismus erfuhr der Begriff eine radikale Umdeutung: Er wurde nun rassisch definiert und diente zur Konstruktion einer vermeintlichen 'arischen' Überlegenheit. Nach 1945 geriet der Begriff aufgrund seiner NS-Belastung weitgehend in Vergessenheit. In jüngerer Zeit erlebt der Begriff jedoch eine subtile Wiederbelebung in rechtspopulistischen und rechtsextremen Kreisen, die ihn nutzen, um eine vermeintliche deutsche 'Leitkultur' zu beschwören und eine Abgrenzung gegenüber Migranten und anderen Kulturen zu fordern. Diese Verwendung knüpft an die völkischen und rassistischen Konnotationen des Begriffs im Nationalsozialismus an.
KontextDer Begriff 'Deutsches Wesen' wurde im Nationalsozialismus ideologisch aufgeladen, um eine vermeintliche rassische und kulturelle Reinheit zu konstruieren. Alfred Rosenberg, einer der führenden NS-Ideologen, nutzte den Begriff, um eine Abgrenzung gegenüber anderen Kulturen und insbesondere gegenüber jüdischen Einflüssen zu propagieren. In seinem Buch 'Der Mythus des 20. Jahrhunderts' (1930) postulierte er, dass Kunst und Kultur Ausdruck eines spezifischen 'Blutes' seien und nur von 'Geschöpfen des gleichen Blutes' verstanden werden könnten. Diese Vorstellung diente dazu, eine vermeintliche Überlegenheit des 'Deutschen Wesens' zu konstruieren und Andersdenkende auszugrenzen. Die Reichskulturkammer unter Joseph Goebbels setzte diese Ideologie ab 1933 in die Praxis um, indem sie 'undeutsche' Kunst verbot und eine 'arteigene' Kultur förderte.
Einordnung

Der Begriff 'Deutsches Wesen' ist untrennbar mit der NS-Ideologie verbunden. Alfred Rosenberg prägte mit seinem 'Mythus des 20. Jahrhunderts' maßgeblich die rassistische Aufladung des Begriffs. Die Reichskulturkammer unter Joseph Goebbels setzte diese Ideologie in die Praxis um, indem sie 'undeutsche' Kunst verbot und eine 'arteigene' Kultur förderte (vgl. Longerich, Peter: Goebbels. Biographie. München: Siedler, 2010). Zahlreiche Studien belegen die Instrumentalisierung des Begriffs zur Ausgrenzung und Verfolgung von Minderheiten (vgl. Benz, Wolfgang: Dimension des Völkermords. Die nationalsozialistische Judenverfolgung. München: Oldenbourg, 1991). Die Verwendung des Begriffs in der NS-Zeit diente dazu, eine vermeintliche 'arische' Identität zu konstruieren und Andersdenkende zu stigmatisieren.

Strategische Funktion

1. AUSGRENZUNG: Durch die Betonung eines spezifischen 'Deutschen Wesens' werden Menschen mit Migrationshintergrund oder anderer kultureller Prägung als 'nicht zugehörig' markiert und somit ausgegrenzt.
2. IDENTITÄTSSTIFTUNG: Der Begriff dient dazu, eine vermeintlich homogene deutsche Identität zu konstruieren, die auf gemeinsamen Werten, Traditionen und einer vermeintlichen 'Blutsverwandtschaft' basiert. Dies kann dazu beitragen, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Solidarität innerhalb der 'deutschen Volksgemeinschaft' zu stärken.
3. KULTURKAMPF: Die Beschwörung eines 'Deutschen Wesens' wird oft im Kontext eines 'Kulturkampfes' gegen vermeintlich 'undeutsche' Einflüsse eingesetzt. Dies kann dazu dienen, Ängste vor Überfremdung zu schüren und eine Ablehnung gegenüber anderen Kulturen zu fördern.
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